Klarführen. Für Führungskräfte, die nach außen funktionieren und wissen, dass das nicht reicht.

Ein Umsatzrückgang. Ein Konflikt im Führungsteam. Ein Projekt, das aus dem Ruder läuft.
In dem Moment, wo es passiert, fühlt es sich oft existenziell an. Als müsste sofort etwas geschehen. Als wäre alles andere zweitrangig, bis dieses eine Problem gelöst ist.
Ich habe das oft erlebt, bei mir selbst und bei Führungskräften, mit denen ich arbeite.
In der Akutphase wirkt ein Problem riesig. Jeder Gedanke kreist darum. Man sieht kaum etwas anderes. Tage oder Wochen später, wenn es gelöst ist oder sich von selbst erledigt hat, wirkt es plötzlich kleiner.
Was war passiert? Das Problem hatte sich nicht verändert. Der Blick darauf war ein anderer.
In dem Moment, wo etwas schiefläuft, ist der Kopf voll.
Gedanken wie "Das wird alles infrage stellen" oder "Das kriege ich nicht hin" fühlen sich wie Fakten an. Wie eine objektive Einschätzung der Lage.
Aber sie sind keine Einschätzung der Lage. Sie sind eine Einschätzung des eigenen Zustands, von dem aus man darauf schaut.
Eine Geschäftsführerin erzählte mir von einer Nacht, in der sie schlecht geschlafen hat. Ein sehr wichtiger Kunde hatte abgesagt, kurzfristig, ohne Vorwarnung.
Sie lag wach und dachte immer wieder: Das wird Konsequenzen haben, die wir nicht auffangen können.
Am nächsten Morgen, nach ein paar Stunden Schlaf, die sie noch gefunden hat, sah die Lage buchstäblich anders aus.
Der Kunde war nicht zurückgekommen.
Aber sie war ruhiger. Klarer.
Und plötzlich fiel ihr ein: Wir haben drei andere Projekte in der Pipeline. Eins davon könnte viel schneller gehen als gedacht. In der Nacht hatte sie das überhaupt nicht gesehen.
Die Situation war identisch. Ihre Fähigkeit, damit umzugehen, war anders.
Die Dringlichkeit und Dramatik, mit der ein Problem auftritt, ist kein verlässlicher Maßstab für seine tatsächliche Größe. Das gilt besonders auch bei Entscheidungen unter Druck.
Mit einem klaren, neutralen Blick, gibt es wieder mehr Perspektive und damit neue Spielräume, Ideen, Möglichkeiten.
Was nicht heißen soll: Alles wird zwangsläufig gut. Die nächste Hürde oder Krise wird kommen. Das ist unvermeidlich.
Was den Unterschied macht: wie groß sie sich anfühlen muss, bevor man handelt.

Sechzehn Jahre Fernsehjournalist. Seit über zehn Jahren Coach für Führungskräfte, Teams und Menschen in Übergängen.
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