Klarführen. Für Führungskräfte, die nach außen funktionieren und wissen, dass das nicht reicht.

Eine Führungskraft sitzt im Meeting. Das Team wartet auf eine Entscheidung. Der Druck ist groß, die Zeit knapp.
Und der Kopf ist leer.
Paradox. Denn er ist eigentlich das Gegenteil davon: zu voll. Zu viele Gedanken, zu viel Erwartung, zu viel Anspannung.
Ich höre das oft.
"Ich hatte die Lösung. Aber erst später. Auf dem Heimweg. Unter der Dusche. Am nächsten Morgen."
Nie im Meeting. Nie, wenn es drauf ankam.
Warum?
Die meisten glauben, dass sie in dem Moment härter denken müssten. Mehr Methoden. Mehr Brainstorming. Mehr Input.
Aber was tatsächlich passiert: Je mehr jemand versucht, eine gute Idee zu produzieren, desto weiter entfernt er sich davon.
Ein voller Kopf sieht weniger, nicht mehr.
Neulich erzählte mir eine Führungskraft von einer schwierigen Entscheidung. Sie hatte tagelang darüber nachgedacht. Listen gemacht. Pro und Contra. Szenarien durchgespielt.
Nichts fühlte sich richtig an.
Dann fuhr sie übers Wochenende weg. Kein Plan, nichts zu klären. Einfach weg.
Am Sonntagmorgen, beim Kaffee, war die Entscheidung klar. Sie hatte schlicht aufgehört, darüber nachzudenken.
Ich weiß, was jetzt kommt: "Schön für sie. Aber ich habe keine Zeit fürs Wochenende. Ich muss heute entscheiden."
Stimmt.
Aber es geht nicht ums Wochenende. Es geht nicht um Abstand oder Auszeit.
Es geht darum, dass sie in diesem Moment aufgehört hat, gegen sich selbst zu arbeiten.
Wenn jemand merkt: Ich drehe mich im Kreis. Ich denke immer wieder dasselbe. Ich versuche, eine Antwort zu erzwingen, die nicht kommt.
Und dann aufhört.
Das müssen keine drei Tage sein. Einfach nur für diesen Moment.
Führungskräfte, die das verstanden haben, gehen anders in schwierige Situationen.
Wenn sie gerade nicht weiterkommen, ist das kein Zeichen, dass die Antwort fehlt. Es ist ein Zeichen, dass der Kopf zu voll ist.
Und ein voller Kopf braucht Raum.
Nicht unbedingt viel. Manchmal reichen drei Minuten.
Kreativität lässt sich schwer einplanen. Aber man kann aufhören, sie zu blockieren.

Sechzehn Jahre Fernsehjournalist. Seit über zehn Jahren Coach für Führungskräfte, Teams und Menschen in Übergängen.
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