Klarführen. Für Führungskräfte, die nach außen funktionieren und wissen, dass das nicht reicht.

Ein wichtiges Gespräch steht an. Eine schwierige Rückmeldung. Eine Entscheidung, die jemand nicht hören will.
Also bereitet du dich vor. Überlegst Formulierungen, verwirfst sie. Wie sage ich das, ohne dass es verletzend wirkt? Was, wenn die Person defensiv reagiert? Wie reagiere ich dann?
Das Gespräch findet im Kopf schon zehnmal statt, bevor es überhaupt begonnen hat.
Ich habe das selbst oft erlebt. Auch bei Führungskräften, die ich begleite, ist das fast immer dasselbe Muster: Je wichtiger ein Gespräch, desto mehr wird im Vorfeld überlegt.
Ich erinnere mich an ein Gespräch, für das ich drei Tage lang Sätze vorbereitet hatte. Und dann sagte die andere Person etwas, das ich nicht erwartet hatte, und alles, was ich mir zurechtgelegt hatte, war plötzlich irrelevant.
Eine andere Geschichte, die mir oft einfällt: Ein Geschäftsführer erzählte mir von einem Gespräch, das er monatelang vor sich hergeschoben hatte. Ein langjähriger Kollege sollte erfahren, dass seine Position wegfällt.
Er hatte sich Sätze zurechtgelegt. Wieder verworfen. Neu formuliert. In alte Notizen eines Kommunikationstrainings geschaut.
Als das Gespräch dann kam, lief es anders als geplant. Der Kollege sagte: "Ich habe das kommen sehen. Mir tut es eher leid für dich, dass du das jetzt sagen musst."
Die vorbereiteten Sätze passten überhaupt nicht mehr.
Er erzählte mir später: "Ich habe einfach aufgehört, mein Skript abzuspulen. Und dann war es ein ehrliches Gespräch."
Getragen hat das Gespräch etwas anderes: die Beziehung, die über Jahre gewachsen war. Der Respekt. Das gemeinsame Verständnis für die Lage, trotz der schwierigen Nachricht.
Je mehr du im Kopf probst, desto weniger bist du im Raum. Ab einem bestimmten Punkt verhindert das Vorbereiten, was es eigentlich ermöglichen soll.
Wer zu sehr im eigenen Skript ist, hört nicht mehr zu. Er wartet auf seinen nächsten Satz.
Das nächste schwierige Gespräch wird kommen. Und wieder wird der Impuls da sein, alles gut vorzubereiten.
Die Frage ist: Wann hörst du auf, an dein Skript zu denken?

Sechzehn Jahre Fernsehjournalist. Seit über zehn Jahren Coach für Führungskräfte, Teams und Menschen in Übergängen.
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