Klarführen. Für Führungskräfte, die nach außen funktionieren und wissen, dass das nicht reicht.

Wann hat dich zuletzt jemand kritisiert? Und wie lange hast du daran gedacht?
Eine Bemerkung im Meeting. Beiläufig gemeint oder auch nicht. Sie bleibt hängen. Stunden später, Tage später ist sie immer noch da. Du drehst sie im Kopf, formulierst Antworten, fragst dich, was die Person gemeint hat.
Eine einzige Bemerkung. So viel Raum.
Vor Jahren erzählte mir eine Führungskraft, wie sie nachts wach lag, weil ein Kollege im Meeting kurz die Augen verdreht hatte, als sie etwas vorschlug.
„Es war nur ein Sekundenbruchteil“, sagte sie. „Aber ich konnte nicht aufhören zu denken: Was hält der eigentlich von mir?“
Ein paar Tage später rief der Kollege sie an, ganz beiläufig, wegen etwas anderem. An den Moment im Meeting erinnerte er sich offenbar nicht mehr.
In diesen Tagen hatte sie eine ganze Geschichte darum gebaut. Über sich selbst. Über ihre Position. Über das, was auf dem Spiel stand.
Solche Geschichten über uns selbst fühlen sich echt an. Dabei wechseln sie mit dem Tag und mit den Gedanken, die gerade laufen. Wer sich heute unsicher fühlt, wirkt morgen klar und stark, ohne dass sich draußen etwas verändert hat.
Wenn sich diese Geschichte so leicht verschiebt, wie fest kann sie dann sein?
Kritik trifft genau dieses Bild von dir, und das ist ohnehin in Bewegung. Wer das sieht, reagiert freier.
Die nächste Kritik wird kommen. Die nächste Bewertung, der nächste Vergleich. Die Frage ist nur, wie viel Raum das bekommt.

Sechzehn Jahre Fernsehjournalist. Seit über zehn Jahren Coach für Führungskräfte, Teams und Menschen in Übergängen.
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